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Personio bereitet sich auf Börsengang vor

Das HR-Scale-up Personio hat erste Schritte eingeleitet, um in der Zukunft an die Börse zu gehen. So hat das Münchner Jungunternehmen seine GmbH in eine Societas Europaea (SE) umgewandelt und möchte damit europaweit weiterwachsen. Frühstens Ende 2024 soll dann der Gang an die Börse folgen, teilte uns eine Unternehmenssprecherin mit.

Das 2015 gegründete Scale-up, das Software zur Digitalisierung von HR-Prozessen anbietet, war in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Von 2020 auf 2021 stieg der Umsatz des Unternehmens laut einer Analyse des Wirtschaftsinstituts Wolfgang Witte so stark an, wie bei keinem anderen HR-Software-Anbieter in Deutschland und der DACH-Region. Innerhalb des besagten Zeitraums hatte Personio seinen Umsatz um 80 Prozent gesteigert (von 21,4 auf 38,6 Millionen Euro). Insgesamt belegt es damit nun Rang 12 der umsatzstärksten HR-Software-Anbieter.

Portfolio erweitert

Ein paar Monate später baute das Scale-up sein Portfolio aus: Im Mai 2022 hatte Personio das Start-up Back Technologies übernommen, das ebenfalls eine HR-Software anbietet, mit der die Employee Experience verbessert sowie Personalprozesse automatisiert werden sollen.

Auch kürzliche Finanzierungsrunden liefen für Personio erfolgreich. So sammelte das Scale-up im Juli 2022 bei seiner E-Finanzierungsrunde 200 Millionen US-Dollar ein und ist nun mit 8,5 Milliarden Euro bewertet. Damit gehört es zu den wertvollsten Jungunternehmen in Deutschland.

Aufgrund all dieser Entwicklungen sieht das Führungsteam von Personio den Börsengang als nächsten logischen Schritt an. Neben dem Eintritt in den Aktienmarkt sollen auch die Belegschaft vergrößert und neue Produkte veröffentlicht werden. Aktuell arbeiten rund 1.700 Beschäftigte für Personio, die in der Zentrale in München oder in Berlin, London, Madrid, Dublin, Barcelona und Amsterdam sitzen. Dabei soll es aber nicht bleiben: „Wir planen, weiterzuwachsen“, sagt eine Personio-Unternehmenssprecherin, um wie viele Menschen genau verriet sie nicht. „Aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Situation wahrscheinlich langsamer, als in den Jahren zuvor.“

Neuer Fokus auf Arbeitszeiterfassung

Die bestehenden und neuen Mitarbeitenden sollen in den kommenden Monaten unter anderem daran arbeiten, bereits existierende Personio-Produkte für die Arbeitszeiterfassung zu verbessern und neue zu kreieren. Denn mit dem aktuell relevanten BAG-Grundsatzurteils hat die Judikative nun noch einmal betont, dass alle Arbeitgeber die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten festhalten müssen.

Ob das Scale-up an die deutsche Börse oder an einen anderen Aktienmarkt geht, ist noch unklar – auch wenn ein Listing in Deutschland die Präferenz sei. Denn Gründer und CEO Hanno Renner ist eigenen Aussagen nach mit den Regeln auf dem deutschen Aktienmarkt nicht hundertprozentig zufrieden. In Deutschland soll die Ausnahme vom Prinzip „eine Aktie, eine Stimme“ zugelassen werden. „Es muss die Möglichkeit unterschiedlicher Stimmrechtsklassen geben, um eine etwaige feindliche Übernahme verhindern zu können“, sagt Renner gegenüber der Wirtschaftswoche.

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch Themen aus den Bereichen Recruiting, Employer Branding und Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit.