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Womit sind Mitarbeitende (un)zufrieden?

Sind viele Menschen in Deutschland mit ihrem derzeitigen Job zufrieden? Ja, lautet die Antwort, wenn man der aktuellen Job-Happiness-Studie 2022, die forsa im Auftrag des Job-Netzwerks Xing in der Bundesrepublik durchgeführt hat, Glauben schenkt. Demnach sind rund drei Viertel (73 Prozent) der gut 3.000 erwerbstätigen Personen ab 18 Jahren, die im Oktober repräsentativ befragt wurden, mit ihrer Tätigkeit zufrieden. 14 Prozent bezeichnen sich als weder zufrieden noch unzufrieden und 13 Prozent sagen, sie seien unzufrieden. Am unzufriedensten mit 79 Prozent sind die jüngsten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen von 18 bis 25 Jahren.

Hauptgründe für Unzufriedenheit: Stress, unfaire Bezahlung und fehlende Wertschätzung

Der Hauptgrund für Unzufriedenheit bei der Arbeit ist laut den Studienverfasserinnen und -verfassern Stress. Fast jeder dritte Befragte (31 Prozent) fühlt sich derzeit auf der Arbeit überlastet oder gestresst. Der zweitwichtigste Treiber für Unzufriedenheit mit einem Viertel der Nennungen (25 Prozent) ist eine unfaire Bezahlung. Auf Platz drei der Frustrationsfaktoren steht fehlende Wertschätzung, die ein Fünftel (21 Prozent) beklagt. Dass sich ein Drittel der Beschäftigten gestresst fühlt, verwundert nicht: 35 Prozent der Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen arbeiten derzeit länger pro Tag, um das Fehlen von Kollegen und Kolleginnen zu kompensieren. Jeder neunte Befragte (elf Prozent) leistet sogar Überstunden, ohne dafür einen finanziellen oder Freizeit-Ausgleich zu erhalten.

Frauen fühlen sich stärker belastet und schlechter bezahlt als Männer

Überlastet und gestresst fühlen sich tendenziell vor allem Frauen und ältere Beschäftigte. Der Aussage, dass sie sich im Job entspannt, also nicht überlastet und gestresst fühlen, stimmten nur 42 Prozent zu. Bei den Frauen sind es mit 39 Prozent noch weniger. Die höchste Zustimmung mit 54 Prozent kommt von den jüngsten Beschäftigten bis 25 Jahre. Auch das Gehalt spielt laut den Studienverfasserinnen und -verfassern eine wichtige Rolle für die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Dass sie sich fair bezahlt fühlen, gaben 58 Prozent an. Hier gibt es einen noch deutlicheren Unterschied zwischen den Geschlechtern: Von den Männern halten sich 62 Prozent und von den Frauen nur 54 Prozent für gerecht entlohnt. Eine angemessene Wertschätzung für ihre Arbeitsleistung erfahren nach eigener Angabe 58 Prozent der Berufstätigen, wobei auch hier die Jüngsten mit 63 Prozent ihre Situation am positivsten bewerten.

Gut zwei Drittel der Beschäftigten sorgen sich nicht um ihre berufliche Zukunft

Doch die Studie zeigt auch positive Seiten der aktuellen Mitarbeiterzufriedenheit: Zu den Aussagen, denen die Befragten am häufigsten zustimmten, gehört unter anderem, dass sie sich mit ihren Kollegen und Kolleginnen gut verstehen (86 Prozent). 79 Prozent haben ein gutes Verhältnis zu ihren Vorgesetzten. Drei Viertel (75 Prozent) geben an, dass sie Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren können. Mit 59 Prozent kann auch mehr als jeder zweite Beschäftigte seine Arbeitszeit selbst einteilen.

Ein interessantes Ergebnis der Studie ist, dass mehr als zwei Drittel (69 Prozent) die Aussage bejahen, sich in ihrem aktuellen Job keine Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen zu müssen – und das trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage inklusive Inflation, Krieg und Energiekrise. Am zuversichtlichsten ist die Generation der Babyboomer: Von den Befragten ab 56 haben drei Viertel (75 Prozent) keine Angst um ihre berufliche Zukunft, während dieser Anteil bei den 18- bis 25-Jährigen mit 65 Prozent am niedrigsten ausfällt. Die große Mehrheit der Erwerbstätigen gibt sich sehr selbstbewusst, was die eigenen Fähigkeiten angeht und macht sich offenbar deshalb keine Sorgen: 89 Prozent sind davon überzeugt, dass sie attraktiv für potenzielle andere Arbeitgeber sind.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.