Frage an die HR-Werkstatt: Wie können Arbeitgeber die Mitarbeitermotivation und Produktivität erhöhen?
Es antwortet: Tim Schwietal, Regional Vice President Retail, Konsumgüter und Financial Services, Süd- und Mitteldeutschland, Slack
Motivation ist ein alltägliches Buzzword, doch die Wenigsten wissen, was sich konkret hinter dem Begriff verbirgt. In der Psychologie wird Motivation als die Richtung, Intensität und Ausdauer einer Verhaltensbereitschaft hin zu oder weg von Zielen definiert. Insbesondere am Arbeitsplatz spielt Motivation eine entscheidende Rolle. Denn motivierte Mitarbeitende sind zufriedener, arbeiten produktiver und erhöhen somit die Wertschöpfung in einem Unternehmen. Dass eine hohe Mitarbeitermotivation in einem nächsten Schritt zu höheren Unternehmensgewinnen und besseren Kundenbeziehungen führt, belegt auch eine Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup, die die Bedeutung von Mitarbeiterengagement untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen und Teams, die beim Mitarbeiterengagement im oberen Quartil liegen im Vergleich zu denen im unteren Quartil, von einer 23 Prozent höheren Rentabilität und einer 10 Prozent höheren Kundenloyalität profitieren. Gleichzeitig gilt: Mitarbeitende, die sich ihrer Arbeit, ihrem Team und ihrem Unternehmen verbunden fühlen, erledigen nicht nur ihre regulären Tätigkeiten, sondern übertreffen häufig ihre Ziele und sind widerstandsfähiger gegenüber Herausforderungen.
Woher die Motivation kommt, unterscheidet sich dabei von Person zu Person. Die intrinsische Motivation, die sich auf den „inneren Antrieb“ bezieht, kommt in der Regel von einer Tätigkeit selbst, wogegen die extrinsische Motivation durch zusätzliche äußere Stimuli, wie beispielsweise Lob oder monetäre Anreize, entsteht. Am besten lässt sich die Motivation von Mitarbeitenden steigern, wenn beide Motivationsarten miteinander verknüpft werden. Gerade in Zeiten von „Quiet Quitting“ und „Great Resignation“, in denen Unternehmen darum kämpfen, motivierte Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten, ist es deshalb wichtiger denn je, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der Angestellte zufrieden, motiviert und produktiv sein können. Doch wie genau gelingt das? Fünf Tipps.
1. Schaffen Sie ein Arbeitsumfeld, das Flexibilität und Balance bietet
Menschen sind oftmals motivierter, wenn sie Freiheiten haben und sich ihre Arbeitszeit und ihren Arbeitsort selbst einteilen können. Sie sollten zu der Uhrzeit und auf die Art und Weise tätig sein können, die es ihnen erlaubt am produktivsten zu sein. Arbeitgeber sollten ihren Beschäftigten ein entsprechendes Arbeitsumfeld bieten. In vielen Fällen ist dieses digital und hybrid und von der gängigen Nine-to-Five-Struktur gelöst.
Flexibilität am Arbeitsplatz fördert zudem auch die Work-Life-Balance. Wenn Mitarbeitende in der Lage sind, nach Feierabend zu entspannen, Zeit mit ihren Familien zu verbringen und Energie zu tanken, bringen sie nicht nur ihre Werte besser in Einklang mit der Arbeit, sondern erfahren auch ein hohes Maß an Selbstbestimmung und -verwirklichung. Dadurch verbessert sich die intrinsische Motivation von Mitarbeitenden, was dazu führt, dass sie am nächsten Tag wieder motiviert und produktiv arbeiten können.
2. Bauen Sie eine Kultur des Vertrauens auf
Ein ausgeprägtes und hierarchieübergreifendes Vertrauensverhältnis im Unternehmen gilt als Schlüsselfaktor für eine hohe Produktivität und Motivation am Arbeitsplatz. Ein Mangel an Vertrauen bildet dagegen eine Basis für Angst, Stress und andere psychische Belastungen, die sich negativ auf die Leistungsbereitschaft von Mitarbeitenden auswirkt. Der Aufbau einer Vertrauenskultur ist deshalb unerlässlich.
Free Now ist ein Beispiel für ein Unternehmen, bei dem Vertrauen in den Unternehmenswerten fest verankert ist. Der Hamburger Mobilitätsanbieter teilt Neuigkeiten der Unternehmensführung in einem dedizierten Slack Channel und ermutigt Mitarbeitende, sich aktiv in die Diskussion einzubringen. Das Führungsteam ist so leicht erreichbar und für Vorschläge offen, was Vertrauen schafft. Gleichzeitig haben Mitarbeitende das Gefühl, sich einbringen zu können, was wiederum ihre Motivation erhöht, über den Tellerrand ihres eigentlichen Aufgabenprofils zu schauen und wenn nötig eine Extrameile für den Erfolg von Projekten zurückzulegen. Denn sie fühlen sich beispielsweise durch diese Art der Kommunikation gesehen und wertgeschätzt.
3. Hören Sie auf Ihre Mitarbeitenden
Zuzuhören ist eine Sache. Die andere ist es, die Vorschläge der Mitarbeitenden auch wirklich umzusetzen. Dafür braucht es in einem Unternehmen zunächst Feedback-Strukturen und dann eben die Offenheit, die Mitarbeitenden getreu ihrer Vorschläge etwas verändern zu lassen. Anhand ihrer Kenntnisse und Erfahrungen sollten sie den Weg zum Unternehmensziel mitgestalten können.
Gleichzeitig ist es für viele Mitarbeitende motivierend, wenn der Arbeitgeber in ihre eigene Weiterentwicklung investiert. Eine hilfreiche Methode ist das sogenannte Stay-Interview, also ein „Bleibegespräch“ zwischen einer Führungskraft und einem oder einer Angestellten. Ziel ist es nicht nur mögliche Kündigungsgründe zu erfahren, sondern auch die allgemeine Situation des oder der Angestellten im Unternehmen zu erfassen und so Optimierungspotenziale zu identifizieren. Anhand der Erkenntnisse aus diesen Gesprächen können Führungskräfte ermitteln, wie sie Mitarbeitende halten und weiterentwickeln können. Das hilft wiederum dabei, intrinsische Motivatoren, wie beispielsweise Neugierde oder die Bereitschaft, neue Herausforderungen anzunehmen, ausfindig zu machen und so die Leistungsmotivation zu verbessern.
4. Fördern Sie die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden
Leistungsstark und motiviert sein können Mitarbeitende nur, wenn sie gesund sind. Unternehmen sollten daher alle Initiativen unterstützen, die die Gesundheit der Mitarbeitenden fördern, und Programme anbieten, die sich mit mentaler Gesundheit und Wohlbefinden befassen. Letzteres scheint zunehmend wichtig, da sich die aktuellen sozioökonomischen Unsicherheiten auf die psychische Gesundheit der Beschäftigten auswirken und die Motivation einschränken können. Wer beispielsweise unter Angstattacken oder depressiver Verstimmung leidet oder Trauer verarbeitet, dessen Motivation auf der Arbeit nimmt ab. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Arbeitgeber Mitarbeitende unterstützen können – von Online-Kursen über professionelle Ressourcen bis hin zu Zugang zu externen Coachings.
5. Nutzen Sie die Macht der kleinen Gesten
Kleine Gesten zeigen den Mitarbeitenden, dass sie für ihre harte Arbeit geschätzt werden. Ob es sich um kleine Aufmerksamkeiten, Anerkennung oder Bildungsressourcen handelt, solche Gesten können die Stimmung verbessern und den Teams das Gefühl geben, in ihrer Rolle anerkannt zu werden. Wichtig ist es, seine Mitarbeitenden kontinuierlich zu loben und zu bestärken, wenn sie gute Arbeit geleistet haben, denn das trägt langfristig zu einem positiven Arbeitsumfeld bei. Auch wenn es sich bei der Würdigung der geleisteten Arbeit, ähnlich wie bei Prämien oder Auszeichnungen, um eine positiv bestärkende extrinsische Motivationstaktik handelt, kann diese wiederum zur Steigerung der intrinsischen Motivation beitragen. Es dauert nur ein paar Minuten, ein paar lobende Worte zu kommunizieren, aber der Effekt kann groß sein. Die Wirkung kleiner Gesten ist daher von unschätzbarem Wert, wenn es darum geht, die Motivation der Mitarbeitenden zu verbessern.
Sicherlich lässt sich die Mitarbeitermotivation nicht über Nacht steigern. Es ist eine kontinuierliche Aufgabe, an der Unternehmen konstant arbeiten müssen. Doch ohne ein positives Arbeitsklima fehlt den Angestellten das Gefühl der Zugehörigkeit, die Arbeit leidet und letztlich verliert das Unternehmen an Produktivität. Mit ein paar einfachen Schritten können Sie sicherstellen, dass sich Mitarbeitende wohlfühlen und ihre Produktivität voll ausschöpfen können. Dabei hilft es, intrinsische Motivatoren wie Selbstbestimmung, Neugier oder auch Sinnhaftigkeitstets mitzudenken und die Teams dabei zu unterstützen, die Motivation für ihre Tätigkeit hochzuhalten.
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