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Studie: Mitarbeiterbewertungen als Prüfsiegel

Für Jobsuchende sind Arbeitgeberbewertungsportale heute – nach der Karriere-Website der Unternehmen – die wichtigste Informationsquelle. Allerdings vergleichen immer mehr Kandidaten und Kandidatinnen die Mitarbeiterbewertungen mit der offiziellen Kommunikation der Arbeitgeber. Dabei stellen sie häufig Ungereimtheiten fest. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung, die das HR-Marktforschungsunternehmen Trendence im Auftrag eines interuniversitären Forscherteams aus Österreich in Deutschland durchgeführt hat.

Drei von vier Jobsuchenden nutzen Arbeitgeberbewertungsportale

Knapp drei Viertel der Jobsuchenden in Deutschland (73, 6 Prozent) greifen derzeit auf Arbeitgeberbewertungsportale wie beispielsweise Kununu zurück, um sich über in Frage kommende Unternehmen zu informieren. Ein Fünftel (20,1 Prozent) nutzt diese Portale immer, rund ein Drittel (32,8 Prozent) häufig und drei von zehn Bewerbenden (29,8) informieren sich dort gelegentlich. Während sich die meisten Nutzer generell über potenzielle Arbeitgeber informieren, nimmt immerhin fast ein Drittel (30,1 Prozent) dort noch einen letzten Check vor, wenn bereits ein Jobangebot vorliegt.

Die Häufigkeit, mit der Kandidaten und Kandidatinnen auf Bewertungsportale zugreifen, dürfte für Arbeitgeber schon Anlass genug sein, sich um attraktive Arbeitsbedingungen zu bemühen, um auf den Plattformen gut abzuschneiden. Die Umfrage zeigt jedoch auch, dass viele potenzielle Bewerbende sich mit den Bewertungen anderer Mitarbeitenden und Bewerbenden nicht zufriedengeben, sondern überprüfen, ob es die Unternehmen mit der Ehrlichkeit ernst nehmen. So hat schon mehr als ein Viertel der Befragten (28,4 Prozent) bei der Jobsuche immer oder oft eine Diskrepanz zwischen den Bewertungen und der Arbeitgeberkommunikation festgestellt und weiteren 39,4 Prozent ist dies zumindest gelegentlich aufgefallen. Immerhin 38,3 Prozent der Jobsuchenden konsultieren immer und 36 Prozent häufig die Karriereseiten der Unternehmen und stoßen beim Vergleichen unter anderem dort auf Widersprüche.

Bei Widersprüchen Verzicht auf Bewerbung oder Konfrontation des Arbeitgebers

Das bleibt nicht ohne Folgen: Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) bewirbt sich in so einem Fall nicht und gut ein Viertel (26,7 Prozent) gibt an, sich bei einem solchen Unternehmen sogar niemals zu bewerben. 45,8 Prozent der Studienteilnehmenden würden sich zwar trotz der Unstimmigkeiten bewerben, das Unternehmen dann aber im Vorstellungsgespräch mit den Widersprüchen konfrontieren. Ein Arbeitgeber, der in seinen Stellenanzeigen mit ausgewogener Work-Life-Balance wirbt, bei Kununu & Co. aber kritische Beiträge zu diesem Thema erhält, verhagele sich die Glaubwürdigkeit gegenüber einem Großteil potentieller Bewerbender, kommentiert Katharina Pernkopf von der Universität Innsbruck die Befragungsergebnisse.

„Wir sehen: Bewertungsportale sind zum Ort der Wahrheit für Kandidat*innen geworden“,

sagt Professor Wolfgang Mayrhofer von der Wirtschaftsuniversität Wien.

Das gelte für die gesamte Prozesskette einer Bewerbung und Einstellung – begonnen bei der Unternehmensrecherche über das Vorstellungsgespräch bis hin zur Entscheidung, ob ein Arbeitsvertrag unterschrieben wird.

Aus der Befragung geht hervor, dass sich 86,9 Prozent der Kununu-Nutzer den Gesamtscore eines Arbeitgebers anschauen und bei einem Wert von 2,5 abwärts auf einer Skala bis fünf auf die Bewerbung verzichten. Zusätzlich informiert sich aber auch mehr als die Hälfte immer oder oft darüber, wie das Unternehmen beim Bewerbungsprozess abschneidet. Weitere 30,4 Prozent sehen sich das Bewerbungsmanagement gelegentlich an.

An der repräsentativen Befragung unter der wissenschaftlichen Leitung von Katharina Pernkopf von der Universität Innsbruck, Markus Latzke von der IMC FH Krems und Wolfgang Mayrhofer von der WU Wien nahmen im Oktober letzten Jahres 1.647 Menschen teil, die sich in den vergangenen zwölf Monaten in mindestens einem Bewerbungsprozess befanden und von denen 1.212 bereits Arbeitgeberbewertungsportale genutzt hatten.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.