Eltern mehr in den Blick nehmen – das haben sich die beiden Unternehmen Henkel und emma & noah vorgenommen. Das DAX-Unternehmen hat daher zum Jahresbeginn eine Sonderregelung zur Elternzeit weltweit eingeführt. Das Start-up bietet eine Variante davon an, seitdem ein angestellter Vater danach gefragt hatte. Die Sonderregelungen sind losgelöst von der Familienstartzeit – auch als Väterzeit bekannt –, welche vom Gesetzgeber immer noch diskutiert, aber noch nicht beschlossen wurde. Beide Unternehmen stellten ihre Initiativen auf der Kölner Messe ZP Europe im Gespräch mit Personalwirtschaft-Redakteurin Lena Onderka vor.
Die Konzepte des Konsumgüterkonzerns Henkel und des Babyprodukteshops emma & noah unterscheiden sich dabei so sehr wie die beiden Unternehmen selbst: Bei Henkel als Konzern steckt viel Bürokratie hinter der Sonderregelung zur Elternzeit. Schließlich hat das Unternehmen sie weltweit ausgerollt und damit einen Mindeststandard definiert, den jede Konzerngesellschaft sicherstellen muss. Konkret bedeutet das: Alle Familienarten – ob Eltern mit eigenen Kindern, Adoptiv- oder Pflegekindern oder gleichgeschlechtliche Paare – profitieren von acht Wochen voll bezahlter Elternzeit im ersten Lebensjahr des Kindes. Sprich: Für Mitarbeitende, die in Elternzeit gehen, stockt Henkel das Elterngeld für acht Wochen aufs volle Gehalt auf. „Wir dachten, dass das einen großen Impact haben wird, aber nicht, dass es so eine positive Resonanz bekommt“, sagte Viktoria Holland-Cunz, Global Head of HR Strategy, DEI & Analytics bei Henkel, über den Erfolg der Initiative.
Mitarbeitende bei emma & noah erhalten zwei Wochen voll bezahlten Sonderurlaub nach der Geburt, wenn sie diese Freistellung möchten. „Für uns war das ein wichtiger Schritt“, sagte Lena Koldner, People & Culture Managerin des Start-ups. Dabei gehe es zum einen darum, Gleichberechtigung zu fördern, zum anderen, Familien den Druck nach der Geburt eines Kindes zu nehmen, schnell wieder zu arbeiten und das Einkommen zu sichern.
Investition in Mitarbeitende mit Kindern ist wichtiger als die Kosten
Dass die Väterzeit Geld kostet, stehe bei Henkel nicht im Vordergrund. Vielmehr sei es dem Konzern wichtig, in seine Mitarbeiter zu investieren. Das scheint laut Holland-Cunz zu gelingen: „Wir haben 30 Prozent mehr Bewerbungen. Das zeigt, dass die Initiative erfolgreich ist.“ Dabei sei die Sonderregelung keinesfalls etwas, was tendenziell nur Vätern zugutekomme. Langfristig profitierten auch Frauen davon, denn Führungskräfte könnten dadurch verstehen, dass Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht Elternzeit nehmen. „Wenn Vorgesetzte nicht mehr das Geschlecht im Blick haben, dann werden auch den Frauen gute Rollen angeboten“, ist sie überzeugt.
Auch emma & noah betrachtet nicht vorrangig die Kosten, die durch die Sonderregelung der Elternzeit anfallen. Koldner sagte: „Das war wenig Aufwand, und die Kosten belaufen sich auf ein halbes Monatsgehalt.“ Der Aufwand sei deshalb gering gewesen, da das Start-up die Idee nicht erst lange diskutiert und ein aufwändiges Konzept geschrieben, sondern sie kurzfristig und unbürokratisch umgesetzt habe, um den Wunsch des einen Vaters zu erfüllen.
Neue Ideen erfordern Mut und Durchhaltevermögen
Die beiden Personalerinnen wünschen sich, dass noch mehr Unternehmen den Mut haben, mit Initiativen wie Sonderregelungen zur Elternzeit Mitarbeitende zu unterstützen. Koldner empfiehlt: „Einfach machen! Zur Geschäftsführung gehen und sagen: Lasst uns das machen!“ Holland-Cunz rät, in dem Prozess nicht aufzugeben, auch wenn es mitunter schwierig ist und Rückschläge gibt: „Man wird oft zurückgewiesen bei einer solchen Idee.“ Dann gelte es, „Mut zu haben, um Dinge voranzubringen, von denen man überzeugt ist.“
Neben Mut sei es auch hilfreich, sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen, vor allem, wenn ein Unternehmen eine Initiative in verschiedenen Regionen ausrollen wolle. Auch sollte sich HR laut Holland-Cunz eine Deadline bei einem solchen Projekt setzen, damit die Umsetzung nicht immer weiter nach hinten verschoben wird. Wer diese Tipps beherzigt, kann sich bald der Message von emma & noah an seine Mitarbeitenden anschließen: „Wir möchten, dass du zu Hause bleibst, dass du bei deiner Familie bleibst.“
Kirstin Gründel beschäftigt sich mit den Themen Compensation & Benefits, Vergütung und betriebliche Altersvorsorge. Zudem kümmert sie sich als Redakteurin um das Magazin "Comp & Ben". Sie ist redaktionelle Ansprechpartnerin für das Praxisforum Total Rewards.

