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Tag des Kompliments: Wie wir angemessen und inklusiv loben

Komplimente hört jede und jeder gerne – oder? Sie drücken die Großartigkeit einer Person aus und zeigen Wertschätzung. Zumindest, wenn sie gut gemacht und angemessen sind. Das ist gerade auch im Arbeitskontext für viele nicht immer so leicht zu bewerkstelligen. Denn dort gelten teilweise andere Regeln im Umgang miteinander als in privaten sozialen Settings.

Im Arbeitskontext kann ein gut gemeintes Kompliment schnell zu einem unangemessenen Kommentar werden. So etwa „Komplimente”, die auf das körperliche Erscheinungsbild abzielen und nicht auf die Arbeitsleistung oder bestimmte Fähigkeiten. Diese Aussagen können vom Gegenüber als verbale Grenzüberschreitung wahrgenommen werden und zu Unbehagen führen – insbesondere, wenn sie an Kolleginnen und Kollegen unterschiedlichen Geschlechts, unterschiedlicher kultureller Herkunft oder sexueller Orientierung oder Identität gerichtet sind. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Vor allem, wenn Führungskräfte oder Mitarbeitende vermeintlich nette oder lustige Kommentare machen, die nicht selten beim näheren Hingucken fragwürdige Aussagen sind, die schädliche Stereotypen oder Vorurteile reproduzieren. Sie schaffen ein unangenehmes Umfeld, in dem sich der Rahmen des professionellen und kollegialen Umgangs miteinander verschiebt und Grenzüberschreitungen normalisiert werden.

Was ist also zu beachten, wenn wir anderen Komplimente am Arbeitsplatz machen? Damit gut gemeinte und gemachte Komplimente im Unternehmen verteilt werden, können sich Arbeitgeber und Mitarbeitende an folgenden Richtlinien orientieren.

Eine Kultur achtsamer Komplimente formen: Tipps für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber

  • Fördern Sie eine offene und ehrliche Kommunikation über Komplimente und die Auswirkungen von Sprache am Arbeitsplatz. Dazu können regelmäßige Gespräche mit den Mitarbeitenden gehören, um einen sicheren Raum zu schaffen, in dem sie ihre Bedenken und Erfahrungen mitteilen können.
  • Führen Sie Schulungen und Weiterbildungen zum Thema inklusive Kommunikation durch und sprechen sie im Unternehmen über die Wirkung von Sprache auf Kolleginnen und Kollegen mit unterschiedlichen Hintergründen und Identitäten durch. Damit setzen Unternehmen das Signal, dass sie die Sensibilisierung ihrer Mitarbeitenden als Chance sehen, um eine inklusive Unternehmenskultur zu etablieren. Die Sensibilisierung  wird den Mitarbeitenden helfen, Komplimente auf respektvolle und achtsame Weise zu geben und anzunehmen.           
  • Legen Sie klare Richtlinien und Grundsätze für eine angemessene Sprache und ein angemessenes Verhalten am Arbeitsplatz fest, einschließlich Richtlinien für das Geben und Empfangen von Komplimenten. So wissen alle Mitarbeitende, was von ihnen erwartet wird, und können sich gegenseitig zur Verantwortung ziehen. Diese Richtlinien können Bestandteil eines Code of Conduct sein, der Regeln der Zusammenarbeit definiert. Mit Verweis auf diese Regeln können unangemessene und unangebrachte Aussagen verbindlicher als Grenzüberschreitung identifiziert werden.
  • Ermutigen Sie Ihre Mitarbeitenden, sich gegenseitig Komplimente zu machen, die sich auf die Arbeitsleistung, Kompetenzen und positive Fähigkeiten des Gegenübers beziehen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Komplimente im Arbeitskontext auf eine respektvolle und angemessene Art und Weise gemacht werden.
  • Fördern Sie eine Kultur, in der es akzeptabel ist, ein Kompliment abzulehnen oder ein Gespräch über die Art und Weise zu führen, wie ein Kompliment gemacht oder entgegengenommen wurde.

Umgang mit Komplimenten am Arbeitsplatz: Leitfaden für Kolleginnen und Kollegen

  • Beschränken Sie sich auf Komplimente, die auf die Arbeitsleistung, positive Eigenschaften oder bestimmte Fähigkeiten Ihrer Kolleginnen und Kollegen zielen. Unterlassen Sie Kommentare zu äußerlichen Merkmalen. Dies ist besonders relevant, wenn es kein Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen gibt und eine Machtasymmetrie besteht. 
  • Achten Sie auf Machtdynamiken und darauf, wie Ihr Kompliment von jemandem in einer niedrigeren Position oder mit weniger Autorität wahrgenommen werden könnte.
  • Denken Sie daran, dass sich nicht jede und jeder ein Kompliment wünscht oder akzeptieren will. Respektieren Sie in jedem Fall empathisch die Grenzen Ihres Gegenübers und seien Sie sensibel damit, wie Ihre Aussage wahrgenommen werden könnte.
  • Verwenden Sie eine inklusive Sprache, vermeiden Sie geschlechtsspezifische Ausdrücke und verwenden Sie, wenn möglich geschlechtsneutrale Formulierungen, indem Sie Ich-Botschaften senden und auf den Kern des Kompliments zielen. Komplimente wie „Ich finde sehr beeindruckend, wie mitreißend du neue Ideen präsentieren kannst.“ oder „Ich schätze deine Kreativität, deine Ideen machen einen echten Unterschied für das Team!“ ermutigen und bestärken.
  • Unterlassen Sie in jedem Fall „Komplimente“, die eigentlich hinterhältig oder unaufrichtig sind: Aussagen wie „Die Präsentation war gar nicht mal so übel für so ein junges Ding!“ oder „Solche Skills hätte ich so einer wie dir gar nicht zugetraut.“ sind keine Komplimente, sondern übergriffige und deplatzierte Aussagen. Greifen Sie ein, wenn Sie solche Kommentare mitbekommen.
  • Achten Sie auf Ihre Körpersprache und Ihren Tonfall, wenn Sie ein Kompliment machen, denn auch hier macht der Ton die Musik.

Sie merken: Wir dürfen einige Dinge beachten, wenn wir inklusive und wertschätzende Komplimente im Job empfangen und verteilen wollen. Das soll aber nicht dazu führen, keine Komplimente mehr auf der Arbeit zu verteilen! Wertschätzung und positiver Zuspruch im Job sind essentiell für eine Arbeitsatmosphäre, in der sich alle gesehen und sicher fühlen können – und dazu tragen eben auch maßgeblich Komplimente bei.

Statt auf sie zu verzichten, dürfen wir alle lernen, wie wir einander wertschätzende, respektvolle und stärkende Komplimente machen und unangemessene Kommentare als das zu benennen, was sie sind: Nämlich unangebrachte Aussagen, die nichts im Businesskontext zu suchen haben. Letztendlich gilt auch bei der Arbeit: Ein authentisches und wohlwollendes Kompliment erwärmt die Seele und motiviert allemal. Der heutige Tag der Komplimente kann daher eine willkommene Erinnerung für uns alle sein, besonders viel Lob und Anerkennung im Arbeitsalltag zu verteilen und unseren Kolleginnen und Kollegen genau die Wertschätzung zu zeigen, die sie verdienen.

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