Was brauchen Frauen in der Arbeitswelt der Zukunft?

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Frage an die HR-Werkstatt: Wie können Frauen für den Arbeitsmarkt begeistert werden?

Es antwortet: Iwona Janas, Country Managerin ManpowerGroup Deutschland

In Frauen liegt noch viel ungenutztes Potenzial für die Arbeitswelt. Bisher nehmen weibliche Talente noch nicht in der Form und Quantität am Wirtschaften in Deutschland teil, wie sie es könnten. Weltweit haben die Auswirkungen der Pandemie Frauen unverhältnismäßig hart getroffen. Laut der International Labour Organization haben 1,2 Prozent mehr Frauen als Männer ihre Arbeitsstelle verlassen müssen – doch jetzt, drei Jahre später, kommen nicht alle wieder zurück. Nur 43 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter sind aktuell berufstätig. Bei Männern sind es 69 Prozent.

Diese globale Entwicklung hat Konsequenzen für das wirtschaftliche Wachstum auf der ganzen Welt. Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der laut einer aktuellen Studie des Personaldienstleisters ManpowerGroup ein 17-Jahres-Hoch erreicht hat. 86 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen, so das ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometer. Für Unternehmen ist es wichtiger denn je, Antworten auf die Frage zu finden: Wie können wir eine Arbeitswelt gestalten, die Menschen aller Geschlechter begeistert?

Frauen erwarten, dass sich die Arbeit stärker an ihnen ausrichtet

Der ManpowerGroup-Report „The New Human Age“ identifizierte vier wichtige Faktoren für die Zukunft der Arbeit sowie 14 grundlegende Trends von zunehmender Bedeutung – darunter auch die Wichtigkeit einer inklusiven Arbeitswelt und die Hintergründe dazu, wie Unternehmen speziell Frauen ansprechen können.

Die alten Arbeitsmodelle lassen sich mit den neuen Lebensprioritäten vieler Menschen schlichtweg nicht gut vereinbaren. Daher sollten Unternehmen überdenken, wie sie die anfallende Arbeit organisieren und verteilen, um so ihren Mitarbeitenden mehr Flexibilität bieten zu können. Lohngleichheit und das Vorantreiben von Weiterbildungsmöglichkeiten sind ebenfalls unabdingbar. Es liegt auf der Hand, dass die Anpassung der Unternehmensabläufe an die Bedürfnisse von Frauen für Arbeitgeber weltweit hohe Priorität haben sollte.

Drei Wege, um weibliche Fachkräfte zu gewinnen und zu binden

1.      Ein Bewusstsein für neue Wertvorstellungen schaffen und sie ernst nehmen

Die Generation Z wird bis 2025 circa 27 Prozent der Belegschaft weltweit ausmachen. Gerade diesen jüngeren Menschen liegen Themen wie Diversität, Gleich­berechtigung, Integration und Klima­wandel sehr am Herzen. Dennoch behaupten 68 Prozent der Arbeit­nehmenden der Generation Z, dass sie mit den Fortschritten ihres Arbeitgebers bezüglich der Schaffung eines vielfältigen und inte­grativen Arbeits­umfeldes nicht zufrieden seien. Die Erwartungshaltungen ändern sich, das sollte Unternehmen bewusst sein. Allein höhere Löhne anzubieten, reicht nicht aus – Mitarbeitende aller Geschlechter und Altersgruppen wünschen sich mehr Verantwortung für diese sozialen und ökologischen Themen.

Wichtig ist hier, dass Unternehmen strategisch und durchdacht ESG- und Diversity-Ziele vorantreiben und dahingehende Pläne, Verbindlichkeiten und Fortschritte sowohl intern als auch extern kommunizieren. Aufklärung über die Wichtigkeit einer inklusiven, diversen und integrativen Arbeitsumgebung sowie planvolle Schritte, um diese zu etablieren und zu fördern, sind genauso essenziell.

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2.      Flexiblere Rahmenbedingungen schaffen

Noch wichtiger als ein vollständiger Umzug ins Homeoffice ist für viele Frauen die Möglichkeit, ihre Arbeitszeiten flexibel einzuteilen. Dazu gehört nicht nur Gleitzeit, sondern auch das Überdenken zeitlicher und geografischer Rahmenbedingungen insgesamt: Teilzeit, Jobsharing und Hybridarbeit sind auf dem Vormarsch. Und das, obwohl Frauen statistisch gesehen motivierter sind als Männer, wieder ins Büro zu gehen: 41 Prozent der Arbeitnehmerinnen würden hauptsächlich deshalb wieder teilweise vor Ort arbeiten, um soziale Kontakte zu pflegen.

Bieten Unternehmen solche und andere flexible Rahmenbedingungen an, vermittelt dies den Mitarbeitenden außerdem mehr Stabilität und weniger Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes – ein Aspekt, der vielen Frauen wichtig ist. Sich der Unterstützung des Arbeitgebers in jeder Lebenslage sicher zu sein, stärkt das Vertrauen darin, dass der eigene Job sich auch in Zukunft gut in das Leben im Allgemeinen einfügen wird.

Auch hier ist Diversität das alles entscheidende Stichwort: Längst geht es Frauen nicht mehr nur um die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, sondern um die Erfüllung eigener Projekte und andere wichtige Prioritäten im Leben, von Gesundheit bis hin zu mehr Zeit für Hobbys.

3.      Weiterentwicklungsmöglichkeiten für alle Lebensaspekte bieten

Nicht ein Leben voller Arbeit, sondern ein erfülltes Leben – das steht für viele Arbeitnehmende, und speziell für Frauen, an erster Stelle. Spätestens seit der Pandemie wissen wir, dass berufliches Vorankommen nur eine Dimension eines bereichernden und zufriedenen Lebens ist. Menschen jeden Alters und Geschlechts suchen nach Arbeitgebern, die aktiv eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben fördern. Sollte die Work-Life-Balance leiden, würden 31 Prozent der Arbeitnehmenden im nächsten Monat eine andere Stelle annehmen.

Das bedeutet auch, dass das Erklimmen der klassischen Karriereleiter weniger wichtig geworden ist als die persönliche Weiterentwicklung. Qualifikationen und Expertise aufzubauen wird zum entscheidenden Motivationsfaktor, dem Unternehmen weitaus mehr Beachtung schenken sollten: 57 Prozent der Arbeitnehmenden bilden sich außerhalb ihres Arbeitsplatzes weiter, weil sie die Schulungsangebote in ihrem Unternehmen nicht für ausreichend halten. Frauen (67 Prozent) absolvieren zudem weniger Umschulungen als Männer (75 Prozent) – ein deutlicher Hinweis darauf, dass sie sich von ihren Arbeitgebern nicht ausreichend darin unterstützt sehen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Wer dies als Arbeitgeber ändert, ist für weibliche Talente attraktiver.

Diversität wird gefördert, wenn der Mensch im Mittelpunkt steht

All diese Aspekte des beruflichen Lebens können nur dann effektiv verbessert werden, wenn Unternehmen sich die Zeit nehmen, ihre Mitarbeitenden jeden Geschlechts individuell zu betreuen und zu unterstützen. Es ist von großer Bedeutung, eine offene und fördernde Kommunikationskultur zu pflegen. So finden Frauen in ihrem Beruf Gehör und die nötige Flexibilität vor, ihre Fähigkeiten auszubauen und im Einklang mit ihren außerberuflichen Interessen und persönlichen Werten zu arbeiten. Erst wenn das Management aktives Zuhören und die nötige Empathie unter Beweis stellt, werden Fachkräfte aller Geschlechter, Hintergründe und Altersgruppen angemessen befähigt und motiviert genug sein, um sich gerne an ein Unternehmen zu binden.

Nicht nur aus ethischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen ist es wichtig, Diversität in der Arbeitswelt zu fördern, denn nur so können Unternehmen wachsen und zukunftsfähig bleiben. Das enorme Potenzial auszuschöpfen, das Frauen für die Arbeitswelt bergen, ist Grundvoraussetzung dafür, dass Arbeitgeber innovations- und wettbewerbsfähig bleiben. Nur wenn die Arbeitswelt die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegelt, sind wir bereit für die Arbeit der Zukunft.

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