Die Babyboomer kommen ins Rentenalter oder sind es bereits und verlassen nach und nach den Arbeitsmarkt. Da viele Unternehmen unter anderem auch deshalb über Fachkräftemangel klagen, rückt die ältere Generation wieder stärker in den Fokus. Immer mehr Arbeitgeber erkennen den Wert der sogenannten Silver Worker. Eine aktuelle Studie der ManpowerGroup Deutschland hat bei Unternehmen nachgefragt, über welche Stärken die Generation 50plus verfügt und wie sie zum Unternehmenserfolg beiträgt oder beitragen kann. Für die Studie „Silver Workforce 2023“ wurden im Sommer dieses Jahres 417 Geschäftsführer, HR-Verantwortliche und Abteilungsleiter. Bei etwa jedem zweiten der Unternehmen ist rund die Hälfte der Belegschaft bereits über 50 Jahre alt.

Ältere wegen Fachwissens hochgeschätzt, aber wenig umworben
An ihren Mitarbeitenden der Generation 50plus schätzen die Unternehmen insbesondere das große Fachwissen (90 Prozent). Jeweils 60 Prozent heben das Verantwortungsbewusstsein und die Verlässlichkeit dieser Beschäftigten hervor und weitere 54 Prozent sagen, dass die älteren Beschäftigten über ein großes persönliches Netzwerk in der Branche verfügen.
Obwohl die Mehrheit der Unternehmen die Arbeitskraft älterer Mitarbeitender als gut einschätzt, sucht trotz der angespannten Personalsituation derzeit nur rund ein Drittel (35 Prozent) beim Recruiting aktiv nach dieser Zielgruppe. Bei den kleineren Betrieben ist dieser Anteil mit nur gut einem Viertel (28 Prozent) am geringsten. Der Grund: Kleine Unternehmen verfügen oftmals über weniger Ressourcen für ein zielgerichtetes Recruiting und angesichts der dort bereits tendenziell älteren Beschäftigten bestehe dort Sorge um eine Überalterung der Belegschaft, so Vermutungen der Studienverfasserinnen und -verfasser.
Wichtigste Themen für Silver Worker aus Unternehmenssicht
Was könnten Arbeitgeber aber tun, wenn sie die ältere Generation fördern und unterstützen wollen? Das Thema, dass die Generation 50plus aus Unternehmenssicht am meisten beschäftigt, ist die Gesundheit (70 Prozent). Knapp dahinter folgt die Digitalisierung, bei der einige von ihnen Unterstützung brauchen (67 Prozent). Den dritten Platz nimmt die Work-Life-Balance ein, von der 46 Prozent aller Befragten denken, dass sie der älteren Generation sehr wichtig ist.
Darauf basierend sind die Angebote, die Unternehmensvertreterinnen und -vertreter für die Mitarbeitenden 50plus am hilfreichsten sehen, nicht verwunderlich. Wenn es darum geht, was in Bezug auf ihre Beschäftigten im Alter von 50 Jahren aufwärts am dringendsten benötigt wird, stehen Digitalschulungen mit 54 Prozent auf Platz eins. An zweiter und dritter Stelle nennen die Befragten flexiblere Arbeitszeitmodelle (46 Prozent) und abgestimmte Gesundheitsprogramme (43 Prozent). Als weiterhin benötigte Maßnahmen folgen Mentoring– oder Trainee-Programme für oder mit Jüngere(n) (36 Prozent) und Fort- oder Weiterbildungen zur Sicherung der Fachkompetenz (31 Prozent).
Nur wenige Unternehmen machen Angebote für die Generation 50plus
In der Praxis haben jedoch erst 13 Prozent der befragten Unternehmen solche Angebote, um die ältere Generation möglichst lange an sich zu binden. Am häufigsten greifen Arbeitgeber dabei auf flexible Arbeitsmodelle zurück – 62 Prozent verfügen über solche. Hybrides Arbeiten ermöglichen 51 Prozent. Flexible und hybride Arbeitsmodelle liegen bei kleineren Betrieben an der Spitze des Rankings, bei mittelgroßen auf den Plätzen eins und drei, während größere Unternehmen am stärksten auf Digitalschulungen setzen. Einige Arbeitgeber bieten zudem gezielt an, auch nach dem Renteneintrittsalter für das Unternehmen tätig zu sein: 46 Prozent der Befragten bemühen sich darum, wobei kleinere und auch mittelgroße Betriebe hier deutlich aktiver sind.
Fort- und Weiterbildung der Mitarbeitenden ab 50 Jahren bietet ein Drittel (33 Prozent) der Unternehmen an und 24 Prozent haben Gesundheitsprogramme und Wellbeing-Angebote implementiert. Trainee-Programme, in denen jüngere Mitarbeitende ihre älteren Kollegen schulen, vor allem im Digitalbereich, setzen rund 15 Prozent ein. Mentoring-Programme von Älteren für jüngere Beschäftigte, um Wissen und Erfahrung im Unternehmen zu halten, nutzen nur knapp acht Prozent.

Dabei biete der Ansatz intergenerationellen Arbeitens Vorteile von mehr Kreativität bis zu einem verbesserten Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeitenden, so die Studienverfasserinnen und -verfasser. Überhaupt würden die Potenziale der Silver Worker noch unterschätzt und die Auseinandersetzung der Unternehmen mit dem Thema sei noch nicht ausreichend. Mit Angeboten zu Re- und Upskilling könnten sie die Kenntnisse und Fertigkeiten der Silver Workforce zu nutzen, erhalten und ausbauen. Außerdem sei gerade für kleine und mittlere Betriebe, die gegenüber Großunternehmen beim Recruiting oft im Nachteil sind, ein verstärkter Fokus auf die ältere Generation wichtig.
Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

