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Recruiting-Start-up hyrd: Vom Banking ins Recruiting

Personalwirtschaft: Herr Pfaff, wie hat Sie Ihr beruflicher Weg zur Gründung von hyrd geführt?
Dennis Pfaff: Ich habe in Mannheim und Paris VWL und BWL studiert und war danach fünf Jahre bei der Deutschen Bank im Investment-Banking. Dazu gehörte, Kapitalmarktfinanzierungen für große deutsche Unternehmen wie Siemens oder BMW zu begleiten. Wann immer es darum ging, Trainees, Praktikanten oder Werkstudierende in meinem Fachbereich einzustellen, war ich im Recruiting mit eingebunden, also bei den Interviews und der Auswahl. Ich habe festgestellt, dass einige Prozesse besser oder zumindest anders gestaltet werden können.  

Etwas, das Sie nun mit hyrd tun möchten?
Genau, was ich selbst schon bei meinen Bewerbungen nach dem Studium gemerkt habe, ist, dass es wirklich aufwendig und auch schmerzhaft sein kann, sich als Berufseinsteiger zu bewerben. Die Bewerber-Experience ist häufig nicht ideal. Bei jedem potenziellen Arbeitgeber müssen die Bewerbenden unter Umständen ihre Daten in verschiedene, unternehmensspezifische Systeme eingeben, statt nur ihre Unterlagen an eine E-Mail-Adresse zu senden, wie es früher noch der Standard war. Für Unternehmen ist es komfortabler, wenn die Angaben direkt in ein System laufen. Aber für die Jobsuchenden ist es sehr viel Arbeit und manuell. Zudem gibt es oft kein Feedback und es dauert zu lange. Diese Dinge möchten wir mit hyrd ändern.  

Wieso ist Ihnen das Recruiting, vor allem bei dieser Zielgruppe, so wichtig?
Das Recruiting hat einen riesigen Impact auf die Personen. Wo die Karriere begonnen wird, in welcher Branche, hat einen großen Einfluss auf das spätere Leben. Der erste Job bringt jemanden in eine gewisse Richtung. Wenn man Menschen fragt, wie sie bei ihrer ersten Arbeitsstelle gelandet sind, war das häufig sehr zufällig: Es hat sich so ergeben. Auch Studien belegen diese gewisse Zufälligkeit. Ich und ein damaliger Deutsche Bank-Kollege wollen Studierenden helfen, sofort den richtigen Job zu finden und die eigenen Karriereziele zu erreichen. Man kann zwar die Branche später wechseln und sich neu erfinden, aber in der Regel ist das leichter gesagt als getan.   

Wie lösten Sie nun das Problem der manuellen Eingabe in unterschiedlichste Bewerbersysteme?  
Bei uns werden die Software-Systeme der Unternehmen an die hyrd-Plattform angeschlossen. Das erlaubt den Studierenden, dass sie sich ein zentrales Profil bei uns anlegen und sich damit bei allen Jobs bewerben können ohne weiteren, händischen Aufwand. Außerdem soll so erleichtert werden, sich überhaupt einen Überblick vom Jobmarkt zu verschaffen. Unser Anspruch ist es, den gesamten Jobmarkt auf einer Website beziehungsweise Plattform zu konsolidieren. Daher sind Stellenanzeigen bei uns auch kostenlos, denn sonst ist es nicht möglich, alle verfügbaren Jobangebote abzubilden. Das ist aber wichtig, da der Arbeitsmarkt immer undurchsichtiger und komplexer wird.  

Woran liegt das?  
Die Jobprofile und Berufe differenzieren sich immer mehr aus oder es kommen neue hinzu. Eine Berufsbezeichnung von vor fünf Jahren ist jetzt untergliedert in drei verschiedene, die sehr spezielle Anforderungen haben. IT-Fachkräfte sind besonders gefragt und rar, aber die Stellenausschreibungen der Unternehmen sind eher unrealistische Wunschbeschreibungen. Wir empfehlen unserem Kunden ohnehin, sich etwas vom Wissens-Recruiting zu lösen, sondern nach notwendigen Kompetenzen zu suchen.  

Worum geht es bei hyrd neben der Abbildung des Jobmarktes noch?  
Wir möchten den Jobfindungs- und Bewerbungsprozess sozialer gestalten, deshalb ist hyrd auch ein Network. Die Bewerbenden können sich in unserer Talent Community zu Karrierethemen austauschen und müssen da nicht alleine durch. Wir möchten mit der Plattform vor allem denjenigen eine Chance geben, die nicht etwa durch die Familie oder eine private Business School bereits ein Karrierenetzwerk und Vitamin B haben. 

Welche Vorteile bietet die Plattform Arbeitgebern? 
Den Unternehmen bieten wir an, sich frühzeitig mit Young Professionals auszutauschen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Wir halten es für sinnvoll, wenn Arbeitgeber eine langfristige Beziehung zu potenziellen Kandidaten aufbauen, also beginnend im Studium, auch wenn sie sich erst in drei Jahren bewerben möchten.  

Chancenungerechtigkeit entsteht auch dadurch, dass Recruiter und Recruiterinnen bewusste und unbewusste Vorbehalte gegenüber Geschlecht oder der Herkunft von Menschen haben. Haben Sie dafür einen Lösungsansatz?  
Unsere Kunden können durch Active Sourcing zwar gezielt auf einzelne Kandidaten und Kandidatinnen zugehen, allerdings können sie sich die Bewerberprofile nur anonymisiert anschauen. Name und Bild werden ausgeblendet. 

Im Februar haben Sie Ihre Seed-Finanzierung über 1,1 Millionen Euro verkündet. Wer sind Ihre Investoren?  
Das ist einerseits als Anker-Investor die Beteiligungs-Managementgesellschaft des Landes Hessen. Des Weiteren unterstützen uns Business Angel. Darunter sind der Creditshelf-Mitgründer Christoph Maichel, den ich im Frankfurter CoWorking-Space TechQuartier kennengelernt habe, und der HR-Tech-Investor Andreas Burike. Wir haben also sowohl Branchen- als auch Gründungsexperten mit an Bord. 

Welche Pläne haben Sie für dieses Jahr noch?  
Zunächst möchten wir die Plattform technisch ausbauen, planen aber auch die Entwicklung einer App. Außerdem wird es einen Relaunch der Webseite geben. Es gibt viel Feedback von Kunden, das wir kontinuierlich umsetzen wollen. 

Info

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft und schreibt off- und online. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Arbeitsrecht, HR-Start-ups und Recruiting.