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Wechselbereitschaft steigt – Wie muss HR die Employee Experience ändern?

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Wechselwillig aber motiviert – so beschreiben Studienverfasserinnen und -verfasser vom Employee Experience Trend Report 2023 aktuell zahlreiche Beschäftigte. Während in den vergangenen Jahren die Wechselwilligkeit der Mitarbeitenden steigt, ist ihre Motivation seit 2019 recht konstant geblieben. Das Engagement ist folglich weiterhin da. Doch was vergrößert die Bereitschaft von Mitarbeitenden, ihren Arbeitgeber zu wechseln?

Weltweit mehr als 140.000 Beschäftigte aus über 80 Unternehmen wurden für den Report befragt. Während 2019 und 2020 noch 31 Prozent der Befragten angaben, wechselwillig zu sein, auch wenn Gehalt und Leistungen im neuen Unternehmen gleich wären, gaben dies im vergangenen Jahr 32 Prozent und in diesem Jahr bereits 35 Prozent an. Gleichzeitig sagen jedoch seit 2019 unverändert 84 Prozent der Befragten, sie seien motiviert.

Nur jeder Zweite sieht sich karrieremäßig im Unternehmen gut aufgestellt

Einer der möglichen Faktoren, die den Wechselwillen antreiben, könnte laut Studienverfasserinnen und -verfasser der folgende sein: mangelnde Aufstiegs- und Weiterentwicklungschancen. Nur etwas mehr als jeder zweite Befragte (53 Prozent) hat das Gefühl, im Unternehmen sein Potenzial voll ausschöpfen zu können. Etwas mehr Beschäftigte (56 Prozent) glauben zwar, dass sie ihre Karriereziele bei ihrem Unternehmen erreichen können, aber nur 45 Prozent geben an, dass sie Möglichkeiten zur Karriereentwicklung im eigenen Unternehmen haben – ein Widerspruch in sich, der aber in der Studie nicht aufgegriffen wird.

Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance für viele nicht stimmig

Dazu beeinflussen die zunehmende Arbeitsverdichtung, die Digitalisierung und wachsende Veränderungsgeschwindigkeit das Wohlbefinden der Beschäftigten. Während weltweit fast drei Viertel (73 Prozent) der Befragten angeben, dass sie eine gute Work-Life-Balance wahren können, können dies hierzulande nur weniger als zwei Drittel (62 Prozent) von sich behaupten. Auch die Einschätzungen zur Arbeitsbelastung und dem Unternehmensinteresse am Wellbeing der Mitarbeitenden liegen unter dem internationalen Schnitt.

Dabei ist das Wohlbefinden der Belegschaft nicht nur unbedingt ein altruistisches Ziel. Fast 80 Prozent der Unternehmen sagen, dass sie Wellbeing- und Gesundheitsmaßnahmen gezielt einsetzen, um neue Mitarbeitende zu gewinnen und die vorhandenen Beschäftigten damit an sich binden. Auch möchten sie damit das Engagement der Mitarbeitenden steigern.  

Schlecht organisierte Arbeitsprozesse beeinträchtigen Mitarbeiterbindung

Schließlich vermuten die Studienverfasserinnen und -verfasser, dass die Prozesslastigkeit in deutschen Unternehmen zur sinkenden Mitarbeiterbindung beitragen könnte. In Deutschland ist nur die Hälfte (51 Prozent) der befragten Beschäftigten der Ansicht, dass die Arbeitsprozesse in ihrem Unternehmen gut organisiert sind, womit sie auch die Innovationskraft eingeschränkt sehen würden.

Arbeitgeber scheinen von diesen Problematiken zu wissen. Laut dem Employee Experience Trend Report 2023 geben 60 Prozent der befragten Unternehmen der DACH-Region an, dass das Thema Skills die HR-Priorität Nummer eins für 2023 ist, dicht gefolgt von der Entwicklung der Unternehmenskultur (59 Prozent). Neue Remote– und Hybrid-Arbeitsweisen stehen erst an dritter Stelle (58 Prozent). Fragt sich nur, ob die bisher eingeleiteten Projekte zu diesen Themen bisher keine große Wirkung hatten oder ihr Effekt sich erst zukünftig zeigen wird.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.